Vom Mühlrad zum IT-Betrieb
Zeitstrahl: 1300
Handwerk und Gewerbe in Meisterschwanden
Die Landwirtschaft bildete über Jahrhunderte die wirtschaftliche Grundlage für das Leben in Meisterschwanden und Tennwil. Während die Baumwollindustrie im 18. und die Strohgeflechtindustrie im 19. Jahrhunderte weitere Erwerbsmöglichkeiten boten, entwickelten sich daneben auch kleinere Gewerbezweige.
Müller und Handwerker
Der älteste bekannte Gewerbebetrieb in Meisterschwanden war eine Mühle, die bereits vor 1300 errichtet wurde. Sie existierte in veränderter Form bis ins 20. Jahrhundert. Ein Neuaufbau war nach dem Ersten Villmergerkrieg von 1656 nötig, als sie von katholischen Truppen in Schutt und Asche gelegt worden war. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs stellte die Mühle ihren Betrieb ein, eine seit dem 19. Jahrhundert angeschlossene Bäckerei blieb noch einige Jahrzehnte erhalten. Im Kleingewerbe in der landwirtschaftlich geprägten Gemeinde finden sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auch die Berufsgattungen Schuhmacher, Schneider, Schreiner, Zimmermann, Wagner oder Dachdecker. Hinzu kamen Funktionen wie jene des Schärers oder des Geschirrmachers, die neben den Webern der Textilindustrie zudienten.
Im 19. Jahrhundert sind in Meisterschwanden und Tennwil dann verschiedenste weitere gewerbliche Berufe vertreten, so etwa jene des Tierarzts, Küfers, Sagers, Schmieds, Gürtlers oder Korbmachers. Weiter sind in der Überlieferung ein Sattler, ein Buchbinder, ein Drechsler und ein Uhrenmacher und diverse Händler verzeichnet, ebenso ein Blattmacher, der Teile von Webstühlen herstellte. 1865 liess sich der aus dem Kanton Zürich stammende Johann Georg Fenner in Meisterschwanden nieder und eröffnete eine Damenschneiderei und ein Ladengeschäft – daraus sollte später die Herrenwäschefabrik Seetal hervorgehen.
Aufschwung um 1900
Als stimulierendes Umfeld für die Ansiedlung von Kleingewerbe wirkte die Blütezeit der Strohgeflechtindustrie zwischen 1870 und 1910. In jener Zeit entstanden in Meisterschwanden nicht nur direkte Zulieferbetriebe wie eine Färberei, sondern zahlreiche weitere Geschäfte. Dazu gehörten etwa eine Metzgerei, eine zweite Bäckerei, drei kleine Ladengeschäfte, eine Gärtnerei, eine Steinbildhauerei, ein Malergeschäft und eine Wagnerei.
Die Bauern aus Meisterschwanden und Fahrwangen organisierten sich 1887 zunächst in einer gemeinsamen landwirtschaftlichen Konsumgenossenschaft, ab 1904 dann separat. Inzwischen sind die Genossenschaften der Region in der Landi Hallwilersee zusammengeschlossen.
Der Wirtschaftsaufschwung nach dem Ersten Weltkrieg liess neue Gewerbebetriebe entstehen. Dabei zeichneten sich gesellschaftliche und technische Entwicklungen ab. So eröffneten in der Zwischenkriegszeit gleich zwei Coiffeursalons, wie sie damals verbreitet in Mode kamen. Neue Verkehrsmittel führten zur Ansiedlung einer Garage mit Veloreparaturwerkstätte. Auch ein Baugeschäft nahm seine Tätigkeit auf, vor und nach dem Zweiten Weltkrieg folgten mehrere kleinere Giessereien. In der Hochkonjunkturphase nach dem Krieg konnten sich neben Industrie- auch neue kleinere Gewerbebetriebe etablieren, gegen Ende des 20. Jahrhunderts vermehrt auch solche im Dienstleistungssektor – etwa in der IT-Branche. Zahlreiche Betriebe sind im Gewerbeverein Seetal organisiert. (sst)
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- Siegrist, Jean-Jacques: Meisterschwanden-Tennwil. In: Der Seetaler. 100 Jahre unabhängige Lokalzeitung für das aargauische Seetal und Umgebung. Jubiläumsausgabe September 1966.