Navigieren in Meisterschwanden

Höchste Wasserqualität Tag für Tag!

Zeitstrahl: 1928

Wasserversorgung Meisterschwanden seit 1928

Seit Jahrhunderten gilt die grösste Sorge der Gesellschaft der Versorgung mit genügend sauberem Wasser. Das Überleben von Menschen, Tieren und Pflanzen hängt davon ab. Flüsse, Bäche, Weiher, Seen und Quellen waren die frühesten Arten, genügend Wasser in die Siedlungen zu bringen. Mit der Zeit leitete man das Wasser durch Holzkännel in hölzerne Tröge, wie es heute noch in Berggebieten zu sehen ist. Mit der Zeit verbesserten gedeckte Leitungen und steinerne Tröge die Qualität des kühlen Nass.

Es war die grosse Zeit der Dorfbrunnen und der Hofbrunnen, manche auch als tiefe Ziehbrunnen angelegt. Der Gebrauch des Brunnenwassers war streng reglementiert, schliesslich sollte es für alle zugänglich sein und sauber bleiben. Über alle Bestimmungen wachte der allseits respektierte Brunnenmeister. Zum einen gab es bestimmte Betriebszeiten, in denen etwa das Vieh morgens und abends am Brunnen trinken durfte. Zum andern war klar geregelt, dass ab der Brunnenröhre nur Wasser für den Haushalt geholt werden durfte. Die Tiere tranken am Brunnentrog, und ein dritter Bereich war die letzte Stufe am Brunnen, der sogenannte Sudeltrog. Hier wuschen die Menschen schmutzige Werkzeuge oder die Hände. Das mühselige Wäschewaschen wäre ein ganz anderes Thema.

Posieren für den Fotografen
Drei Generationen posieren für den Fotografen vor dem Beckeheiri-Haus. Dahinter ist der Hofbrunnen zu sehen, mit Wasserzufluss, grossem Trog als Viehtränke und kleinem Sudeltrog. Das Bild soll 1895 entstanden sein.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert flossen in Meisterschwanden und Tennwil 42 gefasste Quellen, fünf ungefasste Quellen und 35 Sode, wie die Vorfahren offene Wasserlöcher nannten. Damit zählte die Ortschaft zu den wasserreichen Dörfern im Kanton Aargau. Diese Zahlen stammen aus einer Untersuchung von Friedrich Mühlberg (1840–1915). Der Geologe und Kantonsschulprofessor aus Aarau untersuchte mit hundert Mitarbeitenden alle 233 Aargauer Gemeinden und kartierte, sage und schreibe, 5484 gefasste und 2977 ungefasste Quellen neben 3974 Soden. Auch wenn die Zählung Mängel hatte, erwies sich der Aargau um das Jahr 1900 als der an Quellen zweitreichste Kanton der Schweiz.

Erstes Leitungsnetz von Fischer Gebrüder angelegt

Friedrich Mühlbergs Aufmerksamkeit galt nicht nur der Anzahl Quellen, sondern auch ihrer Sauberkeit. So stellte er besorgt fest: «Leider fasste man das Grundwasser oft äusserst unsorgfältig, so dass die Leute später ein gründliches Misstrauen gegen die modernen Grundwasserfassungen oder gewissermassen künstlichen Quellen hatten. Besonders in offenen Soden sammelte sich bald ein Morast in der Tiefe an. Würmer, Salamander, Frösche und Kröten krochen oder plumpsten hinein; Insekten fingen sich drin, und alles Getier kam dabei elendiglich um. Wo heute noch ein Sod offen steht, muss man ihn überdecken, weil Kinder und Erwachsene den Zwang in sich spüren, Dreck und Steine hinunterzuwerfen oder doch wenigstens hinunterzuspucken, um die Tiefe zu ergründen.» Ob Mühlberg beim Schreiben dieser Zeilen die Meisterschwander Sode vor dem geistigen Auge hatte?

Die eigentliche Wasserversorgung geht – wie so vieles in Meisterschwanden – auf die Blütezeit der Strohindustrie zurück. 1928 kaufte die örtliche Wasserversorgung die ersten Quellfassungen und ein kleines Leitungsnetz von der Firma Fischer Gebrüder zum damals stolzen Betrag von 26'000 Franken. Seither wurde es stetig erneuert, erweitert und an die neusten Vorgaben angepasst.

Grundwasserpumpwerk Delphin
Das Grundwasserpumpwerk Delphin besteht seit 1945 und wurde in den Jahren 1981 und 1993 erweitert und erneuert.

Bei der Wasserversorgung Meisterschwanden handelt es sich um einen kommunalen Eigenwirtschaftsbetrieb, der die Ortsteile Meisterschwanden und Tennwil mit ihren über 3300 Einwohnerinnen und Einwohnern versorgt. 80 % des gesamten Wassers stammen aus dem Grundwasserpumpwerk Delphin, dessen Anfänge ins Jahr 1945 zurückgehen. 20 % stammen aus den ergiebigen Quellen Vögeli und Hunzibrunnen, die direkt ins Reservoir Hölzliacker geleitet werden. Die Altholzquelle speist das Reservoir Hohliebi. Hierhin gelangt auch das im Grundwasserpumpwerk gewonnene Wasser über den Umweg des Stufenwasserpumpwerks Hölzliacker.

Die beiden genannten Wasserspeicher fassen insgesamt 1420 Kubikmeter Wasser, also fast anderthalb Millionen Liter, das als Trinkwasser, Brauchwasser und Löschwasser zur Verfügung steht. Das Netz der Hauptleitungen – zwischen 100 mm und 225 mm Durchmesser – umfasst rund 30 Kilometer und ist mehrfach durch Ringleitungen querverbunden. Für die Feuerwehr stehen 189 Hydranten bereit. Mit den Nachbargemeinden Seengen und Fahrwangen besteht ein Netzverbund, der die Versorgung Tag für Tag garantiert.

Während manche Hausbesitzer über althergebrachte Wasserrechte verfügen und ihre Liegenschaften aus eigenen Quellen versorgen, baut die Gemeinde Meisterschwanden an einem Seewasserpumpwerk. 2027 soll es in Betrieb gehen und das Wasser aus dem Hallwilersee beim Strandbad fassen. Die Aufbereitung und Verteilung erfolgt ab dem Sportplatz.

Karte von 1940
Die Karte von 1940 zeigt die Quellfassungen Hunzibrunnen und Vögelibrunnen sowie die Leitungen ins Dorf.

Hier geht es weiter: