Eine Liaison über drei Jahrzehnte
Zeitstrahl: 1988
Die Gemeindepartnerschaft zwischen Meisterschwanden und Saint-Claude-de-Diray 1988–2021.
Die Beziehung hielt gut drei Jahrzehnte: Ab 1988 war Meisterschwanden mit der französischen Gemeinde Saint-Claude-de-Diray liiert. Ende 2021 wurde ein Schlussstrich unter die Partnerschaft und damit unter ein illustres Kapitel der Dorfgeschichte gezogen.
Ihren Anfang hatte die grenzüberschreitende Beziehung genommen, nachdem Meisterschwanden 1984 zur «Gemeinde Europas» geworden war. In der Endphase des «Kalten Krieges» begeisterten sich viele Schweizer Gemeinden für die europäische Idee. Schon im Jahr darauf erhielten die Ortsschilder an den drei Dorfeingängen in Meisterschwanden blaue Zusatztafeln mit dem Europa-Sternenkranz. Die Gemeinde suchte nun in Frankreich nach einem passenden Partner in einem grenznahen Gebiet wie dem Elsass, was sich als schwierig erwies. Stattdessen meldete Saint-Claude-de-Diray sein Interesse an – eine ländliche Gemeinde im Tal der Loire mit damals rund 1450 Einwohnern. Die ersten gegenseitigen Besuche und der französische Charme liessen die anfänglichen Bedenken wegen der Distanz von rund 700 Autokilometern rasch verfliegen, der Partnerschaft stand nichts mehr im Weg.
Der Beginn der Jumelage wurde gebührend gefeiert: mit zwei Festakten im September 1988 in Saint-Claude-de-Diray und im Juli 1989 im Rahmen des Jugendfestes in Meisterschwanden. Gegen 120 Personen reisten in zwei Cars sowie zwei Privatautos aus Frankreich ins Seetal – und alle wurden privat im Dorf untergebracht. Im Rahmen der Feierlichkeiten übergab Gemeindeammann Markus Remund seinem französischen Amtskollegen Daniel Margoil unter anderem eine Karaffe aus Hergiswiler Glas. Die Symbolik dazu erklärte Remund wie folgt: «Das Glas und die Partnerschaft können klar und offen, aber auch zerbrechlich sein. Tragen wir Sorge dazu. Für den Inhalt und den Geist müssen wir uns selber immer wieder engagieren, sonst bleiben die Jumelage und die Karaffe eine leere Hülle.»
Schüleraustausche und wechselseitige Besuche
In den folgenden Jahren füllten die beiden Gemeinden ihre Partnerschaft fleissig mit Inhalt. Im Zentrum stand der kulturelle Austausch. Mindestens in jedem zweiten Jahr reiste eine Delegation von Erwachsenen aus dem Seetal für ein längeres Wochenende nach Frankreich – oder umgekehrt. Dazu fanden gruppenweise Austausche für Oberstufenschüler statt, wobei die Jugendlichen sich möglichst im selben Schuljahr wechselseitig für eine Woche besuchten. Ein Schild neben dem Gedenkstein an Meisterschwandens 800-Jahr-Jubiläum von 1979 an der Bahnhofstrasse hielt das Bewusstsein an die Verbindung wach. Saint-Claude-de-Diray seinerseits taufte einen Platz an prominenter Lage «Place de Meisterschwanden».
Meisterschwanden feierte nun seine Dorffeste stets mit französischer Beteiligung. 1999 etwa wurde das zehnjährige Bestehen der Jumelage gleichzeitig mit der 100-Jahr-Feier der Eingemeindung von Tennwil begangen. Als Gemeindeammann Remund, auf Schweizer Seite die treibende Kraft hinter der Partnerschaft, 2005 sein Amt nach 20 Jahren abgab, übernahm er das Präsidium des neu gegründeten «Comité de Jumelage». 2014 wurde er von Dölf Engeli abgelöst. Alternierend fand nun jedes Jahr entweder ein Schüleraustausch oder ein Besuch einer Gruppe von Erwachsenen statt.
2019 kam der Gemeinderat zum Schluss, dass das Interesse in der Bevölkerung für eine Weiterführung der Jumelage nicht mehr genügend gross sei. Zudem hätte die Neuorganisation der Oberstufe im Seetal die Organisation der Schüleraustausche anspruchsvoller gemacht. Nachdem rund 1500 Menschen mindestens an einem der gegenseitigen Besuche teilgenommen hatten, bedauerte man den Entscheid nicht nur in Saint-Claude-de-Diray, sondern auch in Teilen der Bevölkerung von Meisterschwanden. 2021 endete die Gemeindepartnerschaft offiziell, diverse entstandene Freundschaften werden sie jedoch überdauern. (sst)
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Gemeinsames Fest 100 Jahre Eingemeindung Tennwil und 10 Jahre Jumelage 1999. (Foto Gemeinde Meisterschwanden) -
Jugendfest-Umzug 1989. (Foto Gemeinde Meisterschwanden) -
Gemeindeammann Markus Remund und Maire Daniel Margoil 1989 bei der Verschwisterungszeremonie in Meisterschwanden. (Foto Gemeinde Meisterschwanden) -
Remund und Margoil 1988 bei der Einweihung der Place Meisterschwanden in Saint-Claude-de-Diray. (Foto Gemeinde Meisterschwanden) -
Seetaler Schüler 1992 in Frankreich. (Foto Gemeinde Meisterschwanden) -
Ortschild Saint-Claude-de-Diray. (Foto Gemeinde Meisterschwanden)