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Felchenfang und künstliche Belüftung

Zeitstrahl: 1899

Zur Geschichte der Fischerei im Hallwilersee

Fischerei-Bewilligung für Fabrikant Hans Fischer-Weber
Bewilligung für Fabrikant Hans Fischer-Weber für die Ballen-Fischerei während der Schonzeit 1899 – unter der Bedingung, dass er das gewonnene Brutmaterial an die Zuchtanstalt in Birrwil ablieferte. (Archivkopie Ernst Fischer)

Dass «Fischer» in einer Seegemeinde zu den häufigsten Familiennamen gehört, überrascht kaum. Tatsächlich dürften bereits die ersten Meisterschwander Fischer gewesen sein. Bereits die Bewohner der steinzeitlichen Seeufersiedlungen übten den Fischfang aus, auch wenn die Beute aus dem See nicht den Hauptteil ihrer Ernährung ausmachte.

Im Mittelalter standen die Fischereirechte auf dem Hallwilersee unter wechselnder Herrschaft klösterlicher und weltlicher Obrigkeiten. So besassen etwa die Herren von Meisterswang im Bereich des heutigen Gemeindegebiets eine Fischenz, also ein Fischereirevier, das wohl im 14. Jahrhundert an die Herren von Hallwil überging. Aus einer Urkunde von 1419 geht hervor, dass die Hallwil den See damals als Eigentum beanspruchten. Sämtliche Fischer – auch solche, die eigene Fischenzen besassen – mussten auf ihre Fänge als Zinsen an die Seeherren abgeben. Die Seegenossenschaft der Fischer war, wie der Historiker Reinhold Bosch (1887–1973) schrieb, «ein fester Verband mit ausgeprägten Rechten». Die Fischerei folgte klaren Regeln, die schon damals auch den Schutz des Fischbestandes berücksichtigen. Wer dagegen verstiess, musste mit harten Strafen rechnen. Die wichtigste Fischart war der Ballen, eine schnellwüchsige Felchenform.

Zwei Fischer stehen auf dem Boot und holen zusamen die Netze ein (Schwarz-Weiss-Foto)
Fischerei Seerose (Gemeinde Meisterschwanden)

Mit dem Ende der Alten Eidgenossenschaft verloren die Herren von Hallwil 1798 zwar ihre Herrschaftsrechte, dennoch blieb der Hallwilersee in ihrem Privatbesitz. In der Folge mehrten sich allerdings die Nutzungskonflikte. Dies führte letztlich dazu, dass der Kanton 1859 den aargauischen Teil des Sees zum öffentlichen Gewässer erklärte und Theodor von Hallwil für den Verlust seiner privaten Nutzungsrechte mit 30’000 Franken entschädigte. Der Kanton vergab nun die Fischenzen zur Pacht.

Berufs- und Vereinsfischerei

Die Beute der Hallwilerseefischer war damals so reich, dass der Ballen zu den günstigeren Nahrungsmitteln gehörte. Dieser Umstand verhinderte jedoch nicht, dass auch illegal gefischt wurde. Die Überlieferung besagt, dass vor allem in Meisterschwanden und Tennwil das «Balleschöpfe» eine gewisse Verbreitung gehabt habe – im Schutz der Nacht vom Ufer aus mit Netz und langer Stange.

Um einer Überfischung vorzubeugen, begann man bereits im 19. Jahrhundert mit der Felchenaufzucht. Allmählich machte sich allerdings ein Sauerstoffmangel im See bemerkbar, der auf Verschmutzung durch Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie zurückzuführen war. Ein deutliches Zeichen dafür war das Auftreten der Burgunderblutalge, die 1898 erstmals festgestellt wurde. 1961 kam es zu einem Sauerstoffkollaps im See mit einem grossen Fischsterben. Mit Felchen aus dem Sempachersee baute man danach den Ballenbestand wieder auf. Seit 1985/86 wird der See künstlich belüftet. Fast zeitgleich trat das Hallwilerseeschutzdekret des Kantons in Kraft. Trotzdem blieben die Fischerei-Erträge starken Schwankungen unterworfen. Einen Rekord erreichte die Fangmenge der Berufsfischer 1997 mit 76,5 Tonnen.

Im 20. Jahrhundert hatten zeitweise beide Seerestaurants in Meisterschwanden ihr eigenes Fischereirevier. Der 1969 gegründete Sportfischerverein Hallwilersee löste die Seerose als Pächterin ab und betreibt eine eigene Brut- und Aufzuchtanstalt südlich von Hotel und Restaurant. Der Verein mit rund 100 Mitgliedern, davon etwa 20 aktiven, spielt eine wichtige Rolle bei der Pflege von Seefauna und -flora und verkauft je nach Fang frischen Fisch.

Gotthold Fischer nimmt einen Fisch aus dem Netz (Schwarz-Weiss-Foto)
Delphin-Wirt und -Fischer Gotthold Fischer (Gemeinde Meisterschwanden)

Beim Delphin begann Wirt Gotthold Fischer in den 1930er-Jahren mit der Fischerei. Nach dem Tod seines Vaters 1935 lernte er am Vierwaldstättersee sowohl das Fischerei- als auch das Bootsbauerhandwerk. Das Revier übernahm er zunächst als Unterpächter der Kuranstalt Brestenberg in Seengen, die ihre Gäste fischen liess, später dann direkt. Bedingung für die Pacht war die Einrichtung einer eigenen Brutanstalt. Das Restaurant machte sich nun einen Namen für seine Fischspezialitäten. Die folgenden Generationen mit Ernst und später Claude Fischer führten den Betrieb weiter – mitsamt nebenamtlicher Berufsfischerei und eigenem Fischladen.

Ernst Fischer steht mit dem Fischernetz auf einem Boot
Delphin-Wirt und -Fischer Ernst Fischer (Ernst Fischer)

Während die Netzfischerei den Berufsfischern und dem Fischerverein vorbehalten ist, können Angler mit Sachkundenachweis Jahres-, Wochen- oder Tageskarten erwerben. Rund 20 Fischarten kommen im Hallwilersee vor. Der Felchen bleibt für die Fischerei mit Abstand die wichtigste Art, gefolgt vom ebenfalls gezüchteten Hecht. (sst)

Fischladen Delphin von Aussen
Fischladen Delphin (Simon Steiner)

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