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Die reformierte Kirche in Meisterschwanden

Zeitstrahl: 1822

Einweihung der Baute von Jost Kopp im Frühling 1822.

Meisterschwander Kirche
Die Meisterschwander Kirche von 1822 auf einer alten Postkarte. (Foto Gemeinde Meisterschwanden)

Alte Flurnamen deuten zwar darauf hin, dass in Meisterschwanden schon im Mittelalter eine kleine Kirche oder eine Kapelle stand. Doch schriftliche Zeugnisse dazu fehlen, ebenso archäologische Funde, die eine solche Baute belegen würden. So gingen die Bewohnerinnen und Bewohner vom rechten Hallwilerseeufer nach Seengen zur Messe, seit der Reformation zur sonntäglichen Predigt. Das Seenger Gotteshaus aus dem Jahr 1490 war jedoch baufällig und stürzte 1820 sogar ein.

In jenen Jahren diskutierte man die kirchliche Abtrennung der Gemeinden Meisterschwanden und Fahrwangen. Der Weg zur Kirche war beschwerlich und weit, besonders für die Älteren und die Kinder. Das galt auch für Beerdigungen. 1810 listete ein Gutachten die Vorteile und Nachteile einer eigenen Kirchgemeinde mit einer neuen Kirche auf. Der Aargauer Regierungsrat stimmte überraschend zu. So entstand 1817 eine evangelisch-reformierte Kirchgemeinde für die Dörfer Meisterschwanden und Fahrwangen.

Aussicht Richtung Seefeld
Aussicht von der Meisterschwander Kirche Richtung Seefeld. (Foto Gemeinde Meisterschwanden)

Bereits sechs Jahre früher wandte man sich an den besten Architekten und Baumeister der weiteren Region. Jost Kopp (1759–1830) stammte aus einer katholischen Maurer- und Steinmetzfamilie aus Beromünster. «Zimmerjost», wie sein Spitzname lautete, war 1811 gerade mit dem Bau der Pfarrkirche in Alpnach (Obwalden) befasst. Diese gilt als Kopps Hauptwerk. Die Nachwehen der Napoleonischen Zeit, Missernte und Hungersnot im «Jahr ohne Sommer» 1816 sowie die Ablösung der alten Bodenzinsen verzögerten die Planung.

Stolze Baute und etwas Zank

Die neue Kirche sollte auf dem «Trüllplatz» zu stehen kommen, damals auf freiem Feld zwischen Fahrwangen und Meisterschwanden. Der ehemalige Exerzierplatz war gross genug, von beiden Dörfern gut erreichbar. Zudem konnte die Turmuhr von weitherum gesehen werden. Trotz dieser Argumente zankten sich die Nachbardörfer um das Prestige des Standors, und erst 1820 einigte man sich. Federführend dabei war Oberamtmann des Bezirks Lenzburg, der seine ganze Autorität dafür einsetzen musste.

Konfirmation
Konfirmation in Meisterschwanden am Karfreitag 1957. (Foto Gemeinde Meisterschwanden)

Im Frühjahr 1820 begannen die Bauarbeiten, geleitet von Baumeister Rey aus Muri. Er folgte zwar Kopps Bauplänen, führte sie aber deutlich kleiner aus als ursprünglich geplant. Es handelt sich um eine Querkirche, aussen achteckig, innen längsoval – nach dem Vorbild der neuen Seenger Kirche von 1820.

Aufzug der neuen Glocken
Aufzug der neuen Glocken 1957. (Foto Gemeinde Meisterschwanden)
Schulkinder
Schulkinder ziehen die neuen Glocken auf 1957. (Foto Gemeinde Meisterschwanden)

Schon im September 1820 meldete Rey nach Aarau, die Kirche sei «unter Dach», und führte im Februar darauf die Arbeiten an Kirche und Turm weiter. Der Kirchturm misst 48 Meter, exakt die Tiefe des Hallwilersees. Am 23. Mai 1822 läuteten erstmals die drei Glocken, die bei Meister Bär in Aarau gegossen worden waren. Die Arbeiten hielten an, ebenso die Streitigkeiten zwischen den beiden beteiligten Dörfern. Fahrwangen beispielsweise verlangte einen eigenen Zugang zum Kirchhof, der letztlich gebaut wurde. 1957 erweiterte die Kirchgemeinde das Geläut von drei auf fünf Glocken. Seit der Renovation von 1977/78 steht die Baute unter Denkmalschutz. (pze)

Blick zum Kirchturm 2012

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