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Untertanen der Gnädigen Herren

Zeitstrahl: 1415

Meisterschwanden in der Berner Zeit (1415–1798)

Amt Lenzburg
Landvogteien, private Herrschaften und Landstädte bildeten die Grundpfeiler der Berner Herrschaft im Unteraargau. (Widmer-Dean, Buchs, S. 57)

Meisterschwanden und Tennwil gehörten seit der Eroberung des Aargaus im Jahr 1415 zum bernischen Staat. Von Bern aus gesehen lagen sie im Unteraargau – also unterhalb von Aarburg, das für die Verwaltung und auch für die Schifffahrt und Flösserei auf der Aare bedeutsam war. Der Unteraargau ruhte auf drei Säulen. Zum einen waren da die grossen Landvogteien, von denen Lenzburg und Königsfelden am meisten Prestige und Einkünfte versprachen. Zum zweiten gab es noch immer die privaten Herrschaften: jene der Hallwyler, der Effinger (Wildegg) und der von May (Rued). Zu guter Letzt die Munizipalstädte Zofingen, Aarau, Lenzburg und Brugg.

«Kornkammer von Bern»

Diese für den Aargau so typischen Kleinstädte verstanden es, ihren politischen Handlungsspielraum weitgehend zu erhalten. Sie bemühten sich um wirtschaftliche Entwicklung. Beispielsweise mit Lateinschulen, aus denen eine relativ gut gebildete Mittelschicht hervorging, die Handel, Gewerbe und Handwerk betrieb. Dazu gesellten sich im Verlauf der Zeit die wenigen Einwanderer, insbesondere Hugenotten aus Frankreich, die im Unteraargau strandeten und sich unternehmerisch betätigten. Sie liessen in der «Kornkammer von Bern» einen der Wirtschaftsmotoren des Staats entstehen.

Herrschaftsgebiet Bern
Das riesige Herrschaftsgebiet des Staates Bern erstreckte sich vom Genfersee bis in den Unteraargau. (Widmer-Dean, Attelwil, S. 43)

Zurück ins Spätmittelalter: Nach der Niederlage der Habsburger in der Schlacht bei Sempach 1386 schwand der Einfluss der alten Herren zusehends. Als die eidgenössischen Orte im Frühling 1415 im Aargau einrückten, stiessen sie auf vergleichsweise geringen Widerstand. Besonders der Feldzug des bernischen Heeres kam entlang der Aare rasch und ohne grosses Blutvergiessen vorwärts. Die Adligen, die den Herrschaftsanspruch der Stadt Bern anerkannten, behielten ihren Einkünfte und alten Rechte. Für die Dörfer im Seetal änderte sich 1442 die Situation dahingehend, dass das Amt Lenzburg nicht mehr in Aarburg aus verwaltet wurde, sondern durch die neue Landvogtei auf dem Schloss Lenzburg. Für die Untertanen änderte sich nur wenig. Die Familie von Hallwyl behielt das Sagen.

«Goldene Zeit» im 18. Jahrhundert

Zu den einschneidenden Ereignissen der Berner Zeit zählt zweifellos die 1528 im gesamten Herrschaftsgebiet vom Genfersee über das Oberland bis nach Brugg eingeführte Reformation. Die Menschen in Meisterschwanden und Tennwil merkten in zwei Bereichen etwas. Auf der einen Seite änderten sich Gottesdienst und Glaubenspraxis, auf der anderen verloren Klöster und geistliche Herrschaften ihre Ansprüche weitgehend.

Berner Landvogteiorganisation
Die dreistufige Verwaltung bestand aus der Zentrale in der Hauptstadt, der Landvogtei in Lenzburg und den Institutionen in Hallwil und Meisterschwanden. (Widmer-Dean, Buchs, S. 63)

Einen weiteren Meilenstein bildete der Bauernkrieg von 1653. Die Ursachen dafür liegen im Dreissigjährigen Krieg (1618–1648), der einen grossen Teil Europas in Schutt und Asche legte. Die Gebiete der Eigenossenschaft konnten sich aus den teilweise religiös motivierten Auseinandersetzungen zwar grösstenteils heraushalten. Indirekt waren sie davon jedoch in vielfacher Weise betroffen. So lieferten sie etwa das in den deutschen Ländern fehlenden Getreide, kriegsbedingt zu einem hohen Preis. Als dann der Westfälische Frieden den langen Konflikt beendete, sanken die Preise. Mit dem Getreidemarkt rutschten auch die Kornproduzenten in eine Krise. In der Hoffnung auf satte Gewinne hatten sie sich verschuldet, um zusätzliche Äcker zu kaufen. Nun drückten die Zinsen. Die Obrigkeit hatte kein Einsehen und liess die geschuldeten Beträge gnadenlos eintreiben. Der Widerstand der Bauern entlud sich in einem regelrechten Aufstand. Das Bauernheer zog auch in den Aargau, wo es im Juni 1653 bei Wohlenschwil gegen Zürcher Truppen unterlag.

Nach den beiden Villmergerkriegen, 1656 und 1712 in der Meisterschwander Nachbarschaft ausgetragen, brach für Bern und seine Untertanengebiete eine 80 Jahre dauernde Friedensphase an. Sie gilt als «Berns goldene Zeit» und endete erst mit dem Einmarsch des französischen Heeres 1798. (pze)

Hier geht es weiter

  • Seiler, Christophe; Steigmeier, Andreas: Der viergeteilte Aargau 14151798. In: dies.: Geschichte des Aargaus. Illustrierter Überblick von der Urzeit bis zur Gegenwart. Aarau 1991, S. 35-73.
  • Meier, Bruno: Wirtschaftspolitik vor 300 Jahren. Das bernische Manufakturmandat von 1719 und die Anfänge der Protoindustrie im Kanton Aargau. In: Argovia, Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau 131 (2019), S. 96102, hier 99.
  • Siegrist, Jean Jacques: Beiträge zur Verfassungs und Wirtschaftsgeschichte der Herrschaft Hallwil. Aarau 1952.
  • Holenstein, André (Hg.): Berns goldene Zeit: das 18. Jahrhundert neu entdeckt. Bern 2008.