Navigieren in Meisterschwanden

Als Fotografin rund um die Welt

Zeitstrahl: 1900

Helene Fischer und Ursula Rodel zogen von Meisterschwanden aus.

Villa Dubler
Villa Dubler in Meisterschwanden, wo Helene Fischer aufwuchs. (Foto Gemeinde Meisterschwanden)

In der herrschaftlichen «Villa Dubler» in Meisterschwanden mit drei Geschwistern aufgewachsen, erhielt Helene Fischer (1900–1978) eine Ausbildung, wie sie für Töchter aus besseren Häusern erreichbar war. Ihr Vater Johann Jakob Fischer hatte mit seinen Brüdern ein Vermögen mit Geflechten für die Freiämter Strohindustrie verdient. Er ermöglichte ihr eine Ausbildung zur Violinistin am Genfer Konservatorium. Auftritte mit dem Symphonieorchester von Boston und Chicago waren Höhepunkte dieser ersten Karriere Helene Fischers.

Nach dem Tod des Vaters 1920 gab die Familie die Fabriken in Meisterschwanden auf. Helene Fischer, gesundheitlich angeschlagen, kurierte sich in einem Lungensanatorium in Davos. Offenbar so gut, dass es ihr im Januar 1924 möglich war, das erste Parsenn-Derby auf Ski zu gewinnen. Ein Jahrzehnt danach startete sie in Berlin ihre zweite Laufbahn. Als Fotografin sollte sie mit ihren Bildreportagen und Textbeiträgen weltberühmt werden. Die Fotostiftung Schweiz führt sie als eine der wenigen Fotografinnen in ihren Verzeichnissen.

So brach sie mit der französischen Reporterin Titaÿna 1934 nach Indonesien auf. Fischer gab sich anfänglich als Fotografin aus, indem sie fremde Fotografien als ihre eigenen ausgab. Als Autodidaktin bildete sie sich mit Fachliteratur auf der dreiwöchigen Überfahrt aus. Später veröffentlichte sie Bilderserien im Geographical Magazine, der Vogue und dem Magazin der Lufthansa. In die Schweizer Zeitschriften Zürcher Illustrierte und Schweizer Illustrierte gelangten zahlreiche Bildreportagen aus Südostasien, Südamerika und Afrika. Nach dem Zweiten Weltkrieg erregten ihre Afrika-Bilder von den Pygmäen und den Mangbetu Aufsehen.

Helene Fischer liess sich von der Fotografin Penny Converse begleiten, war bekannt mit US-amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway und der deutschen Regisseurin Leni Riefenstahl. Wie Hemingway jagten Fischer und Converse leidenschaftlich. In späteren Jahren wohnte Fischer abwechslungsweise in Davos und München, von wo sie weiterhin rund um den Globus aufbrach.

SRF-Karussel
Printscreen SRF-Karussel-Beitrag vom 10. Dezember 1985 mit Ursula Rodel. (Foto SRF)

Modedesignerin brachte Zürich Chic

Ursula Rodel (1945–2021) verlebte ihre Jugend in der «Seerose», bevor sie erfolgreich die Modeklasse der Kunstgewerbeschule in Zürich, die Textilfachschule Wattwil und das London College of Fashion abschloss. Als Rodel 1972 mit zwei Kolleginnen das Modelabel «Thema Selection» gründeten, war Zürich noch provinziell – hinsichtlich Mode und Nachtleben. Als Stylistin und Designerin zählte Ursula Rodel zur damaligen Avantgarde und pflegte einen androgynen Stil.

Zeitweilig arbeitete Ursula Rodel als Kostümbildnerin für Filme von Federico Fellini, Claude Berri, Daniel Schmid und Lars von Trier. Im Film «Katzenball» gab sie mit vier weiteren lesbischen Frauen Einblick in ihr Leben. 2009 erhielt sie den Schweizer Grand Prix Design, womit das Bundesamt für Kultur ihr Lebenswerk würdigte. (pze)

Hier geht es weiter:

  • Tobler, Andreas: «Wahnsinnige Schweizer Fotografin. […] die gebürtige Aargauerin Helene Fischer. In: Sonntagszeitung vom 10. Mai 2020, S. 5152.
  • Benini, Sandro: Sie brachte Eleganz und Glamour nach Zürich. Nachruf auf Ursula Rodel. In: TagesAnzeiger vom 22. März 2021, S. 18.
  • Sarasin, David: «Lady Shiva war eine moderne Frau», Gespräch mit Modemacherin Ursula Rodel. In: TagesAnzeiger vom 19. Dezember 2017, S. 25.
  • WikipediaEintrag zu Helene Fischer
  • WikipediaEintrag zu Ursula Rodel
  • Beitrag im Fernsehen SRF «Karussel» vom 10. Dezember 1985 über Ursula Rodel.