Jahrhundertprojekt für eine leistungsfähige Meisterschwander Landwirtschaft
Zeitstrahl: 1941
Frühe Bodenverbesserung mit zwei Projekten von 1941 bis 1950
Güterregulierungen und Meliorationen legten im 20. Jahrhundert den Grundstein für eine zeitgemässe Landwirtschaft. Sie fassten kleine Parzellen zu grösseren zusammen, sorgten für ein passendes Strassennetz und fruchtbare Äcker und Wiesen. Oft war auch der Wald Gegenstand eines solchen Planungswerks. Im Aargau kam es in den 1950er- und 1960er-Jahren zu einer grossen Zahl von Güterregulierungen, angestossen durch die Motorisierung. Das Seetal war früher dran.
In Meisterschwanden war nicht einmal eine umfassende Güterregulierung notwendig. Grössere Bauernhöfe wie der Lindenhof, der Langmatthof oder der Grundhof litten nicht unter der verbreiteten Verstückelung des Grundbesitzes. Dagegen gelangen einzelne Entwässerungsprojekte, wie eine Übersichtskarte der kantonalen Abteilung Landwirtschaft festhält. Bereits in den Jahren 1941 bis 1950 realisierte die Bodenverbesserungs-Genossenschaft Meisterschwanden-Tennwil zwei bedeutende Projekte. Landwirt und Grossrat Jakob Fischer präsidierte das Gremium, das Protokoll führte Verwalter Jakob Fischer aus Tennwil und zur Kasse schaute Vizeammann Traugott Siegrist.
18 Kilometer Gräben und Röhren
Laut den Protokollen und Akten, die im Gemeindearchiv Meisterschwanden sicher aufbewahrt sind, umfassten die entwässerten Flächen 30 Hektaren. Davon lagen 19 ha am nördlichen Ende der Gemeinde in Tennwil, 11 ha am südlichsten Zipfel auf der sogenannten Waltersmatt. In Tennwil bestand das Gebiet aus Wiesland, das zum Teil stark versumpft war. Bodensondierungen ergaben unter dem Humus von 25 cm Dicke sandige, kiesige, steinige oder lehmige Schichten. An einzelnen Stellen lag eine dicke Torfschicht. Für den Ackerbau eigneten sich diese Flächen nicht. Julius Hartmann, Ingenieur und Bezirksgeometer in Lenzburg, plante hier mehr als elf Kilometer Leitungen und Drainagen zur Verbesserung des hohen Grundwasserspiegels.
Etwas anders lag die Sache bei der Waltersmatt, die eine mittlere Neigung von zehn Prozent aufweist. Vor allem als Wiese genutzt, mass die Humusschicht bis zu einem halben Meter. Darunter lag vor allem Lehm. Abhilfe schaffen sollten sieben Kilometer Gräben und Entwässerungsleitungen. Dazu galt es, eine ergiebige Quelle in einen Brunnen zu leiten. Insgesamt budgetierte Julius Hartmann 1941 Gesamtkosten in der Höhe von 110'000 Franken. Die Schlussabrechnung wies rund ein Jahrzehnt später Kosten von 124'000 Franken aus, davon trugen Gemeinde und Landbesitzer knapp ein Drittel. Der Rest floss als Subventionen.
An den Arbeiten war das Meisterschwander Baugeschäft von Otto Lanz beteiligt, ebenso Bauunternehmer Josef Meier aus Sarmenstorf. Die 18 Kilometer Röhren aus Zement und Ton wurden aus Bremgarten, Kölliken und Frick geliefert. In den kommenden Jahren wurde gebaut – zum Teil verzögert durch Materialknappheit als Folge des Zweiten Weltkriegs, aber bis 1950 erfolgreich abgeschlossen und abgerechnet. Gleichzeitig rodeten nicht weniger als 28 Meisterschwander Waldbesitzer 8600 Kubikmeter Wald, um die Melioration in beiden Gebieten zu unterstützen. Mit Blick auf den Umfang und die Zeitdauer darf von einem visionären Jahrhundertwerk gesprochen werden. (pze)
Hier geht es weiter
- Eintrag Güterzusammenlegung im Historischen Lexikon der Schweiz: https://hlsdhs-dss.ch/de/articles/007846/2014-10-15/
- Eintrag Melioration im Historischen Lexikon der Schweiz: https://hlsdhs-dss.ch/de/articles/007847/2016-11-29/
- Zehnder, Patrick: Vom Aargauer Mischbetrieb zum spezialisierten Grosshof. Deagrarisierung nach 1950, in: ZEITGESCHICHTE AARGAU. Zürich 2021, S. 294323.