Navigieren in Meisterschwanden

«predium in Meistersvanc» – ein Landgut in Meisterschwanden

Zeitstrahl: 1173

Zur erstmaligen Erwähnung des Dorfnamens (1173 n. Chr.)

Cappenberger Kopf
Der Cappenberger Kopf wurde wahrscheinlich um 1160 gefertigt. Er wird von Engeln getragen, die auf einem achteckigen Zinnenkranz knien. Noch zu Lebzeiten Barbarossas kam die Büste in den Besitz des Stiftes Cappenberg. Graf Otto von Cappenberg war Taufpate Barbarossas. Seit den 1886 publizierten Ausführungen von Friedrich Philippi wird die Büste – nach neuerer Forschung wohl zu Unrecht – als Darstellung Barbarossas betrachtet. (Wikipedia: Cappenberg, Katholische Pfarrkirche)

Der Name Meisterschwanden erschien erstmals im Jahre 1173 in einem Schriftstück. Niemand geringerer als Friedrich I., besser bekannt unter seinem Spitznamen Barbarossa, bestätigte in diesem Jahr Rechte des Kollegiatsstifts Beromünster im heutigen Kanton Luzern. In seiner Funktion als deutscher König und römischer Kaiser stellte er am 4. März 1173 in Basel eine Urkunde aus, die eine lange Liste von Besitztümern und Rechtsansprüchen von Beromünster umfasst. Dazu zählte ein Landgut oder grösseres Grundstück in Meisterschwanden, im Lateinisch der kaiserlichen Kanzlei «predium zu Meistersvanc» genannt. Für Kaiser Friedrich I. war dieser Verwaltungsakt allerdings Nebensache, befasste er sich doch stärker mit der grossen Politik. Im gleichen Jahr nämlich schloss er sich im Vorfeld des dritten Kreuzzugs mit dem muslimischen Sultanat der Rum-Seldschuken zusammen, um gegen das byzantinische Kaiserreich zu kämpfen.

Aber zurück an den Hallwilersee. Eine Siedlung gab es im Gebiet von Meisterschwanden schon viel früher. Das verrät der Ortsname. Die Namenforschung sieht in Meistersvanc ein alemannisches Wort, das ursprünglich wohl ‘meistares-wanc’ hiess. Das bedeutet Abhang des Meisters. Mit Meister wurde damals ein Meister, Lehrer, Herr, Oberhaupt oder Aufseher bezeichnet. In unserem Fall am ehesten ein Klosterbeamter mit entsprechender Bildung. Der zweite Wortteil ‘wang’ weist hin auf einen Abhang, ein Feld, eine Wiese, eine Weide oder eine gekrümmte Fläche. Wir kennen den Begriff von der Wange im menschlichen Gesicht. Am Übergang von der althochdeutschen zur mittelhochdeutschen Sprache ging die Bedeutung verloren, weshalb spätere Schreiber bereits im Jahre 1153 den Begriff Meisterswanden verwendeten. Sie meinten damit eine ‘swant’, eine gerodete Fläche als Kahlschlag in einem Wald.

An bester Siedlungslage

Stiftskirche St. Michael Beromünster
Stiftskirche St. Michael Beromünster. (Foto Patrick Zehnder)

Erste urkundliche Belege für Aargauer Dörfer mit einem Namen auf ‘wang’ stammen aus dem 8. und 9. Jahrhundert n. Christus, also noch aus dem frühen Mittelalter. Beispiele dafür wären Killwangen im Limmattal oder die Nachbargemeinde Fahrwangen. Gemeinden mit einem solchen Namen liegen ausnahmslos an bis heute vorteilhafter Siedlungslage, an einem stehenden oder fliessenden Gewässer. Die einen befinden sich an einem Südwesthang, die anderen an westwindgeschützten Lagen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass Alemannen solche Siedlungen am Ende der Zeit des Siedlungsausbaus im 7. und 8. Jahrhundert gründeten. Es dauerte also fast ein halbes Jahrtausend, bis zum ersten Mal der Dorfnamen von Meisterschwanden endlich aufgeschrieben wurde.

Etwas jünger dagegen ist der Name der 1899 eingemeindeten Siedlung Tennwil. Sie dürfte in der Zeit vom 8. bis zum 11. Jahrhundert entstanden sein. ‘wil’ geht auf einen Bauernhof zurück, nach dem römischen ‘villa’. Und wenn der Namen dem üblichen Muster folgt, dann geht ‘Tenn’ auf einen Personennamen zurück. Tennwil hiess somit in grauer Vorzeit ein Bauernhof eines Mannes namens Tenn oder Tenno.

Die erste Erwähnung einer Gemeinde in amtlichen Dokumenten gibt berechtigten Anlass für Feste. 1979 feierte Meisterschwanden das 800-Jahr-Jubiläum, woran ein Jubiläumsstein bei der Bushaltestelle Oberdorf erinnert.

Jubiläumsstein Bushaltestelle Oberdorf
Aus Anlass der Ersterwähnung von Meisterschwanden schenkten die Gemeinde des Bezirks Lenzburg und der Nachbarschaft einen Jubiläumsstein. (Foto Patrick Zehnder)

 

Dokumente «800 Jahre Meisterschwanden»

Hier geht es weiter: