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«Sich in der Musik vervollkommnen und gesellschaftliches Leben fördern»

Zeitstrahl: 1888

Zur Geschichte der Musikgesellschaft Meisterschwanden

Die Musik spielte in Meisterschwanden schon vor der Gründung der Musikgesellschaft. Ab 1839 sind mehrfach Auftritte einer Formation aus dem Dorf überliefert, so etwa 1844 als Festmusik am Kantonalen Gesangfest oder 1860 beim Gesangfest der Männerchöre. 1868 fand in Meisterschwanden das Kantonale Blechmusikfest mit rund 150 Teilnehmern statt.

Genauere Informationen zur Dorfmusik jener Zeit fehlen. Die Blasmusik generell war im 19. Jahrhundert in der Schweiz jedoch auf dem Vormarsch – es entstanden zunächst zahlreiche Feldmusikkorps nach französischem Vorbild. Gleichzeitig boomten Vereine als tragende Pfeiler der bürgerlichen Gesellschaft. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kam es zu einer eigentlichen Gründungsbewegung von Musikgesellschaften.

Musikgesellschaft posiert auf Gruppenfoto
1913 feiert die MGM das 25-jährige Bestehen.

In Meisterschwanden war es am 26. Februar 1888 so weit: Im Schulhaus traf man sich zur Gründungsversammlung. In den Statuten hiess es: «Durch Vereinigung unterzeichneter Mitglieder besteht eine Blechmusikgesellschaft Meisterschwanden, deren Zweck ist, sich in der Musik zu vervollkommnen und gesellschaftliches Leben zu fördern.» Beitreten konnte dem Verein «jeder Musikfreund von unbescholtenem Rufe». Wer zu spät zu den Proben kam, riskierte eine Busse von 10, 20 oder 50 Rappen. Mitglieder mit «unsittlichem Lebenswandel» konnten laut Statuten ebenso ausgeschlossen werden wie solche, die gegen Bestimmungen verstiessen, sich auflehnten oder sonst störrisch zeigten.

Aktive Rolle im Dorfleben

Die Musikgesellschaft (MGM) wurde im selben Jahr gegründet wie die Dampfschifffahrtsgesellschaft Hallwilersee. Deren Förderer, der Fabrikant Jakob Fischer-Gloor (1825–1898), gehörte auch zu den frühen Gönnern des Vereins. Dieser war vergleichsweise kapitalintensiv, galt es doch neben den Instrumenten auch Noten und den Dirigenten zu finanzieren. Uniformen und Vereinsfahne sollten denn auch erst im 20. Jahrhundert angeschafft werden. 1893 durfte die Gesellschaft die Einweihungsfeier des neuen Dampfers «Seethal» musikalisch umrahmen. Überhaupt spielte «d’ Musig» im Dorfleben bald eine äusserst aktive Rolle. Das Neujahrskonzert wurde rasch zur Tradition, auch Theater studierte man dafür ein. Bei Tanzanlässen wie am Meitlisonntag, bei der Chilbi oder am Schützenball sorgte jeweils eine Delegation der Musikgesellschaft für den richtigen Takt. An Schützenfesten und Bundesfeiern nahm der Verein ebenso teil wie an Anlässen wie der Einweihung der Turnhalle 1906 oder des neuen Schützenhauses 1908.

Musikgesellschaft marschiert auf einer Schwarzweiss-Aufnahme durch Bern
Die MGM nimmt 1931 am Eidg. Musikfest in Bern teil.

Als der Verein 1913 in Menziken erstmals an einem kantonalen Musikfest teilnahm, kehrte er gleich mit einem Lorbeerkranz zurück. Während des Ersten Weltkriegs fielen die Proben zeitweise monatelang aus. Trotzdem organisierte die Musikgesellschaft im Dezember 1916 einen Unterhaltungsabend mit Theater und trat bei der Einweihung der Wohlen-Meisterschwanden-Bahn auf. Mit neuen Uniformen machte der Verein 1923 in Zug zum ersten Mal an einem Eidgenössischen Musikfest mit. Zudem begaben sich die Musikanten nun alle zwei, drei Jahre mit Uniform und Instrument auf eine Musikreise. Die Geselligkeit war ein zentraler Faktor im Verein, in dem nicht nur gespielt, sondern auch Dorfpolitik betrieben wurde. Zweimal wöchentlich traf man sich zur Probe, Hauptprobetag war der Samstag. Eines der wichtigen Ämter im Verein war es eine Zeit lang, dafür zu sorgen, dass die Musikanten – damals noch ausschliesslich Männer – während und nach der Probe ausreichend mit saurem Most versorgt waren.

Offene Zukunft

Eine wichtige Funktion kam der Musikgesellschaft auch zu, weil sie für viele die einzige Möglichkeit bot, ein Instrument zu lernen und das Notenlesen zu lernen. 1942 meldeten sich 14 Interessenten für den Jungtrompeterkurs an, was den Verein bei der Beschaffung der Instrumente vor eine grosse Herausforderung stellte. In den 1950er-Jahren stieg die Mitgliederzahl auf über 40, viele Musikerinnen und Musiker bewiesen einen langen Atem und blieben dem Verein über Jahrzehnte treu. 1956 war die MGM Gastgeberin des Kantonalen Musiktags mit 35 teilnehmenden Vereinen, 1974 fand der Anlass erneut in Meisterschwanden statt.

Musikgesellschaft posiert als Gruppenfoto auf einer Treppe
Die MGM im Jubiläumsjahr 1988.

Die Dorfmusig nahm stets neue musikalische Strömungen auf, ohne traditionelle Stücke zu vernachlässigen. Das hohe Ansehen der Musikgesellschaft in der Gemeinde zeigte sich nicht nur bei den erfolgreichen Jubiläumsanlässen von 1988 und 2013, sondern auch bei den Jahreskonzerten und unzähligen anderen Auftritten. Sorgen bereitete in jüngster Zeit allerdings der Mangel an Nachwuchs. Anfang 2025 stand deshalb sogar eine Auflösung des Vereins zur Diskussion – eine Option, die fürs Erste verworfen wurde.

Musikgesellschaft spielt auf einer Bühne
Das Motto des Jahreskonzerts 2025 lautete «Jukebox».

Hier geht es weiter:

  • Festschrift 125 Jahre Musikgesellschaft Meisterschwanden, 2013.
  • Historisches Lexikon der Schweiz: Artikel Musikvereine und Vereine.