Ein Adelsgeschlecht aus Meisterschwanden
Zeitstrahl: 1232
Oder weshalb es in Meisterschwanden kein Schloss (mehr) gibt?
Sie zählten zum niederen Adel, die «Herren von Meisterswang». Solche Adelsgeschlechter gab es im Mittelalter in vielen Dörfern des Mittellandes. Oft ist wenig bekannt über sie. Sie verschwinden meist nach wenigen Jahrzehnten, wenigstens aus den schriftlichen Quellen. Die Adligen aus Meisterschwanden werden im Jahr 1232 erstmals in einer Urkunde erwähnt, zum letzten Mal 1372. Dazwischen liegt die bewegte Zeit der Gründung der Alten Eidgenossenschaft und deren Auseinandersetzung mit dem Haus Habsburg.
Die Meisterschwander Adligen standen denn auch im Dienst der Grafen von Habsburg und von Kyburg. Bis 1173 dürften sie allerdings den Grafen von Lenzburg gedient haben. Das weist darauf hin, dass die «von Meisterswang» schon länger in der Gegend waren. Ob sie ursprünglich aus dem Dorf stammten oder mit dessen Verwaltung beauftragt wurden, bleibt unklar. Auch ihr Ende muss offenbleiben. Nach 140 Jahren erwähnt sie keine Urkunde mehr.
Daraus abzuleiten, sie seien ausgestorben, wäre übertrieben. Ganz sicher spielten sie in der Gegend keine Rolle mehr. Denn während den fraglichen anderthalb Jahrhunderten verkaufen die «Herren von Meisterswang» einen Teil ihres Besitzes um den anderen. Manche Güter geben sie ihren Töchtern bei Hochzeiten mit. Oder aber sie verschenken ihn an das Kloster Kappel am Albis – wie etwa die Deutschritterkommende in Hitzkirch. So weit reichte nämlich ihr Streubesitz.
Keine Burg – im Schatten von Hallwil und Büttikon
Das Zentrum des Eigentums lag allerdings in Meisterschwanden und in Tennwil selbst. Hier besassen sie Fischereirechte am Hallwilersee, verschiedene Bauernhöfe und verwalteten weitere Güter als Twingherren. In dieser Funktion zählte es zu ihren Aufgaben, die Bauernfamilien zu schützen und bei kleineren Vergehen oder Streitigkeiten Recht zu sprechen. Als Vögte traten sie auch in Schongau und Fahrwangen auf.
Diese Aufgaben übernahmen die «von Meisterswang» im Auftrag der Grafen von Habsburg. Diese zählten im Kriegsfall auf sie. Die Aufgaben waren aber wenig lukrativ. Jedenfalls liessen es die finanziellen Verhältnisse nicht zu, ein befestigtes Haus, einen Wohnturm oder gar eine Burg zu errichten. Wie viele niedrige Adlige hoben sich die Adligen aus Meisterschwanden nicht von wohlhabenden Bauern ab. Zu letzteren zählten die Familien Im Kilchhof, Walder und Zeier. Alle drei Geschlechter sind im Dorf über mehrere Generationen hinweg belegt, sogar im an Urkunden armen 14. Jahrhundert.
Lassen wir für eine abschliessende Einschätzung den Meisterschwander Historiker und zwischenzeitlichen Gemeinderat Jean Jacques Siegrist (1918–1992) zu Wort kommen: «Die gesellschaftliche Stellung der Herren von Meisterswang war entsprechend ihrer wirtschaftlichen Lage keine sehr gehobene. Diese Ministerialen spielten denn auch in der habsburgischen Politik in den Vorderen Landen eine verschwindende Rolle neben den Hallwil, Büttikon, Hünenberg, Kienberg u.a. Dass die Herzöge von Österreich trotzdem auch mit ihrer Gefolgschaft und Wehrkraft rechneten, beweist vielleicht die Verleihung des Twings Meisterschwanden im Jahr 1361.»
-
Das Wappen der Herren von Meisterswang auf einem Rundsiegel zeigt einen mit Wolkenschnitt geteilten Schild. Das Siegel von 1371 gehörte Johans. (Merz (1905/6), S. 42) -
Stammtafel der Familie Zeier aus Meisterschwanden (Siegrist (1948), S. 12) -
Stammtafel der Herren von Meisterswang. (Siegrist (1947), S. 16)
Hier geht es weiter:
- Siegrist, Jean Jacques: Die Herren von Meisterschwang. Separatdruck aus der «Heimatkunde aus dem Seetal». 21. Jg., Seengen 1947.
- Siegrist, Jean Jacques: Im Kilchhof und Zeier. Zwei mittelalterliche Geschlechter von Meisterschwanden. Separatdruck aus der «Heimatkunde aus dem Seetal», 22. Jg., Seengen 1948.
- Siegrist, Jean Jacques: Die Walder von Meisterschwanden. Eine Bauernfamilie des Spätmittelalters. In: Heimatkunde aus dem Seetal, 43. Jg., Seengen 1949, S. 5463.
- Dubler, AnneMarie: Der Historiker Jean Jacques Siegrist (1918–1992). Ein Leben für die Geschichtsforschung. In: Argovia, Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau, Band 118 (2006), S. 118–130.
- Meier, Bruno: Ein Königshaus aus der Schweiz. Die Habsburger, der Aargau und die Eidgenossenschaft im Mittelalter. Baden 2008.