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Vom Mischbetrieb zum grossen, spezialisierten Bauernhof

Zeitstrahl: 1800

Entwicklung in der Landwirtschaft seit 1800

Das Seetal und damit Tennwil und Meisterschwanden zählten während Jahrhunderten zum Kornland, wo in grossem Stil verschiedene Getreide angebaut wurden. Die Viehzucht bildete höchstens einen Nebenerwerb, weil sie für Weiden und Wiesen viel Platz brauchten, wo die Bauernfamilien lieber Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer oder Weizen ansäten. Noch stärker vernachlässigt wurde der Obstbau, der bis ins 19. Jahrhundert fast keine Rolle spielte. Einer der ältesten Bauernhöfe im Dorf ist der Lindenhof, während mehr als ein Dutzend Generationen in der Hand der Familie Fischer Käspis. Laut dem Familienbuch lieferte ein Kleinhans Fischer ums Jahr 1500 der Kirche Seengen zwei Mütt Kernen und ein Viertel Hafer ab. 1652 waren es vier Gulden und zwölfeinhalb Batzen Heuzehnten, die Caspar Fischer Statthalter zahlen musste.

Im 18. Jahrhundert zählten die bernischen Vögte in Meisterschwanden und Tennwil 43 Bauernfamilien, die Ackerbau betrieben. Damals liess man das Statthalterhaus in Tennwil mit einem mächtigen Strohdach bauen. 1880 erfolgte ein umfassender Umbau, im letzten Jahrhundert eine Renovation. Es gilt mit seinen Butzenscheiben und der Malerei auf dem Ostgiebel als eines der schönsten alten Holzhäuser im Aargau.

Arbeit mit dem Traktor
Traktoren erleichterten die schwere Arbeit in der Landwirtschaft und ersetzten die hochgeschätzten Pferde.

«Bauernsterben» als historischer Einschnitt

Anfangs des 20. Jahrhunderts gab es in Meisterschwanden um die 70 Landwirtschaftsbetriebe, von denen allerdings viele zu den Nebenerwerbsbetriebe zählten. Kurz vorher hatte sich ein grundlegender Wandel vollzogen: Anstelle des traditionellen Ackerbaus widmeten sich die Bauernfamilien der Milchwirtschaft. Es brachen die goldenen Jahrzehnte der Schweizer Milch, des Schweizer Käses, der Schweizer Mutter und der Schweizer Milchschokolade an. Bis 1950 sank die Zahl der Bauernhöfe auf 52 zurück. Es waren die Vorboten eines regelrechten «Bauernsterbens», das als eigentlicher Bruch in der menschlichen Kultur zu verstehen ist. Immer weniger Menschen haben seither einen direkten Bezug zur Landwirtschaft und finden ihr Einkommen in anderen Wirtschaftsbereichen.

In dieser Zeit entstand der Langmatthof, der in den Jahren 1952/53 gebaut wurde. Ein Teil dieses Wandels bestand in der Mechanisierung und Motorisierung. Zuerst verbreiteten sich Einachstraktoren, schon bald selbstfahrende Ladewagen, dann Jauchepumpen und Melkmaschinen. Dazwischen ersetzten Traktoren die Pferde und Kühe als Zugtiere. Doch trotzdem verlangte die Landwirtschaft bis in die jüngste Zeit einiges an Handarbeit. In den 1960er Jahren setzte im Dorf eine immer stärkere Bautätigkeit ein. Der damit verbundene Verkauf von Bauland erlaubte einigen Familien, ihre Höfe zu vergrössern oder in einer anderen Branche Fuss zu fassen. Seither sind die Bauernhöfe grösser geworden und haben sich auf einige wenige Produkte spezialisiert. Die von 1941 bis 1950 durchgeführte Melioration, die vor allem Entwässerungen brachte, verbesserte die Arbeitsbedingungen der Landwirte zusätzlich.

Vorschriften und Gutschriften

Es waren die Jahre, als Mischbetriebe weit verbreitet waren. Das waren Bauernhöfe, auf denen sowohl Getreide angebaut, als auch Milchwirtschaft betrieben wurde. Dazu kamen Spezialkulturen, die mit Früchten, Obst, Gemüse, Wein und Wald zusätzliche Einnahmen versprachen. Wer einen landwirtschaftlichen Lehrling ausbilden wollte, musste sogar nachweisen, dass auch Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben kultiviert und Schweine, Ziege oder Schafe gehalten wurden.

Diese und weitere Vorschriften zielten auf eine sichere Landesversorgung ab. Im Gegenzug erhielten die Bauern Subventionen und später Direktzahlungen, die seit den 1990er Jahren an strengere Bestimmungen in den Bereichen Tierschutz und Umweltschutz geknüpft sind. Eine ökologische Wende ist seither zum Teil eingetreten. Ein Beispiel dafür ist der Grundhof, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umstellte.

Tabelle Anzahl Beschäftigte�und Fahrzeuge von 2000 bis 2022
Die Aargauer Landwirtschaftsstatistik zeigt, dass die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe in Meisterschwanden auch im 21. Jahrhundert noch abnimmt.
Landwirtschaftliche Nutztiere in Stück Vieh von 2000 bis 2022
Auch nach 2000 sorgt die Milchwirtschaft und die Fleischproduktion für einen namhaften Rindviehbestand in Meisterschwanden. Die Zahlen für Schweine und Geflügels sind deutlich rückläufig.
Landwirtschaftliche Nutzfläche�in Hektaren von 2000 bis 2022
Der Umfang der landwirtschaftlichen Nutzflächen stabilisiert sich in Meisterschwanden nach einem bedeutenden Rückgang zu Beginn des neuen Jahrtausends.

Hier geht es weiter:

  • Der Seetaler: Jubiläumsausgabe vom September 1966 (Beiträge «Bauerntum und Landwirtschaft im Seetal» sowie «MeisterschwandenTennwil»).
  • Zehnder, Patrick: Vom Aargauer Mischbetrieb mittlerer Grösse zum spezialisierten und grösseren Bauernhof, in: Zeitgeschichte Aargau 1950–2000, hgg. von Historische Gesellschaft Aargau, Zürich 2023, S. 294–323.
  • Landwirtschaft einst – jetzt und morgen, in: Broschüre zum Tag der Begegnung 1991 Meisterschwanden, S. 24–27.