Am Rande des Berner Aargaus: Nachteile der Grenzlage
Zeitstrahl: 1656
Im Zweiten Villmergerkrieg 1712 mit einem blauen Auge davongekommen.
Seit der Eroberung des Aargaus 1415 durch die Eidgenossen lag das Seetal am Rand des ebenso weitläufigen wie mächtigen Stadtstaates Bern. Am Übergang zum Bünztal verfestigte sich über die Jahrhunderte eine Grenze. Die Unterschiede zwischen dem bernischen Unteraargau und dem Freiamt boten manche Vorteile, etwa die kulturelle Vielfalt oder Möglichkeiten im Handel.
Die Spannungen, die in der Alten Eidgenossenschaft seit langem bestanden, führten zu verschiedenen Konflikten. Ausgetragen wurden diese zuweilen in kurzen, blutigen Feldzügen – oft in den Grenzgebieten zwischen den rivalisierenden Kantonen. Für die Gegend um Meisterschwanden gilt dies besonders für die beiden Villmergerkriege. Allen voran Zürich und Bern rivalisierten mit der Innerschweiz um die Vorherrschaft im losen Bündnis. Man stritt sich auch über aussenpolitische Fragen und zankte wegen konfessionellen Gegensätzen zwischen Katholischen und Reformierten.
Am 25. Juli 1712 kam es bei Villmergen zur Entscheidungsschlacht im Zweiten Villmergerkrieg. Meisterschwanden und die Nachbardörfer lagen im Aufmarschgebiet der Berner Truppen. Ob Innerschweizer Truppen das Dorf – wie Fahrwangen – im Vorfeld der Schlacht ausraubten, ist nicht ganz klar. Aber die Dorfbewohnerinnen und -bewohner waren bestimmt von den Ereignissen betroffen.
Viel Lärm der Seetalerinnen
Dazu erschien 1869 in der in Solothurn gedruckten «Bauernzeitung und Dorfdoktor» ein Beitrag über die Vorkommnisse im Juli 1712: «Der alte Herr von Hallwyl auf dem Schlosse gleichen Namens am Hallwylersee mochte der Stärke seiner Landsleute, der Berner, nicht genüglich zu trauen und um ihnen zu helfen, machte er eine Flankenbewegung mit dem ‘gesammelten Weibervolk, so sich ihm getreulich ergeben hatte’. Er führte seine wohlgeordnete, weibliche Armee aus Seengen, Fahrwangen und Meisterschwanden etc. – in die Wälder hinter den Rücken der Urkantönler und liess daselbst mit ihnen einen Lärm los, als wenn Hilfsmannschaft den Bernern zu Hilfe kommen wollte. Die Kriegslist gelang und soll nicht unwesentlich zum Weichen der Urkantönler beigetragen haben.» Auf diesen Kriegseinsatz der Seetalerinnen, so will es die Überlieferung, gehen die Meitlisonntage in Meisterschwanden und Fahrwangen zurück.
Tatsächlich ging die Schlacht zugunsten Berns und Zürichs aus. Dadurch unterblieben Plünderungen in den Dörfern des Seetals. Die Innerschweizer mussten sich entlang von Bünz und Reuss zurückziehen. 3000 Tote blieben auf dem Schlachtfeld zurück. Zahlreiche ertranken in der hochgehenden Bünz. Damit handelt es sich beim Zweiten Villmergerkrieg um den blutigsten Konflikt unter Eidgenossen. Und diese Tatsache erklärt auch, weshalb sich 1712 eher für besinnliche Gedenktage als für laute Jubiläen eignet.
Noch im Ersten Villmergerkrieg 1656 hatten sich die katholischen Innerschweizer durchgesetzt und ihre seit 1531 bestehende Vormachtstellung gefestigt. 1712 gingen die eidgenössischen Wirtschaftszentren Bern und Zürich als Sieger auf dem Zweiten Villmergerkrieg hervor. Der anschliessend in Aarau geschlossene Vierte Landfrieden sicherte den reformierten Orten grösseren Einfluss. Diese Regelung blieb bis 1798 bestehen, als die Alte Eidgenossenschaft mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen unter Napoleon I. zusammenbrach. (pze)
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Blick Richtung Westen auf das Schlachtfeld vom 25. Juli 1712. Rechts das Dorf Hägglingen, links oben das Schloss Hilfikon, dahinter der Übergang ins Seetal. (Johann Heinrich Meyer, Quelle: Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Graphische Sammlung.) -
Gesamteidgenössische Truppenbewegungen im Zweiter Villmergerkrieg vor der Entscheidungsschlacht am 25. Juli 1712. (Fuhrer (2005), S. 23) -
Verlauf der Schlacht bei Villmergen am 25. Juli 1712 (Fuhrer (2005), S. 27) -
Flucht der Innerschweizer aus dem Freiamt. (Johann Franz Strickler, Landesmuseum Zürich)
Hier geht es weiter
- www.villmergerkriege.ch
- Gautschi, Peter; Sauerländer, Dominik: 300 Jahre Villmergerkrieg – ein blinder Fleck in der Schweizer Geschichtskultur? Zur Einführung. In: Argovia 126 (2014), S. 815.
- Dubler, AnneMarie: Der Zweite Villmergerkrieg 1712. In: Unsere Heimat 79 (2012), S. 5-181.
- Kunz, Josef: Der Zweite Villmergerkrieg von 1712: die katholische Innerschweiz gegen Zürich und Bern. In: Heimatkunde aus dem Wiggertal 70 (2012), S. 148155.
- Fuhrer, Hans Rudolf (Hg.): Villmergerkriege 1656/1712. Militärgeschichte zum Anfassen. Heft 19. Birmensdorf 2005.